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"Der Trost der Rache" von Wilfried Steiner

Aktueller Buchtipp von Christine Wiesenhofer

Christine Wiesenhofer © LB
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Kollegin Christine Wiesenhofer aus der Steiermärkischen Landesbibliothek stellt uns eines ihrer Lieblingsbücher „Der Trost der Rache" vor. Das Buch kann gerne in der Bibliothek ausgeborgt werden.

Es gibt Bücher, die lassen einen nicht los, wenn man sie gelesen hat. Sie bleiben im Gedächtnis, rumoren im Kopf. So ein Buch ist für mich der Roman „Der Trost der Rache" von Wilfried Steiner.

Adrian ist Beamter für Kulturförderung in Wien mit einer großen Leidenschaft: der Astronomie. Da er unbedingt einmal das weltgrößte Teleskop, das Gran Telescopio Canaris, auf der kanarischen Insel La Palma sehen möchte, bricht er mit seiner Frau, einer erfolgreichen Psychotherapeutin, zu einer Urlaubsreise nach Spanien auf. Im Hotel lernen sie die Ornithologin Sarah kennen, und je näher sich die drei kommen, desto faszinierter ist Adrian von der geheimnisvollen Frau. Sarah, eine gebürtige Chilenin, die in Deutschland lebt, begleitet Adrian und Karin zur Sternwarte. Doch es kommt nicht zur Besichtigung, denn als Sarah den leitenden Astronomen sieht, bricht sie zusammen. Erst nach und nach erfährt Adrian Sarahs Geschichte. Sie war ein Folteropfer der Schergen Pinochets, ihre Geschwister waren getötet worden. Als Sahra Jahre später ihren Peiniger - eben jenen Astronomen - in besagtem Observatorium in La Palma aufspürte, war für sie klar: Sie musste Rache üben. Und als sie nun Gewissheit über die Identität des Mannes hat, will sie diesen Plan in die Tat umsetzen.

Adrian ist in einem Zwiespalt: Ist es legitim, Selbstjustiz zu üben, wenn die Justiz selbst versagt hat? Kann man sich abgrenzen und unbeteiligt bleiben, wenn man von himmelschreiender, menschenverachtender Ungerechtigkeit erfährt? Soll er Sarah an ihrer geplanten Tat hindern oder sie unterstützen? „Der Trost der Rache" ist ein äußerst vielschichtiger Roman: Ein packend erzählter Polit-Krimi, eine Reise durch die Schönheit des Universums und im Gegensatz dazu zu den realen Schrecken der irdischen Existenzen, ein philosophischer Roman, der den Fragen nach Recht und Gerechtigkeit nachspürt, und gleichzeitig ein ungemein schöner Roman. Denn in der aufmerksamen Sprache, in den unvergleichlich poetischen Bildern und in den Gedichtzeilen Pablo Nerudas, die im Text aufblitzen, stellt Steiner den Schrecken des Inhalts die Schönheit der Sprache gegenüber. Und schließlich erfährt man bei der Lektüre nicht nur viel über das Weltall und die chilenische Geschichte rund um den Putsch gegen Allende und das Regime Pinochets, sondern auch so manches über die europäische und österreichische Außenpolitik der vergangenen Jahrzehnte.

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