VEREHRT – VERZIERT – VERZEHRT
Das Osterei und seine Bedeutung




Das Osterfest wird als höchstes Fest im christlichen Jahreslauf am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Dem Ei kommt dabei eine besondere Rolle zu: Es symbolisiert den Keim des neuen Lebens in der Auferstehung Christi, die traditionell rote Färbung erinnert an das Blut Jesu. Die Verwendung der Ostereier ist sehr unterschiedlich – sie werden verehrt, gesegnet, verspeist, verziert, versteckt und sogar gepeckt.
Während in der Kulturgeschichte der Menschheit Naturobjekte, die das Wunder des Lebens in sich trugen, immer besondere Beachtung gefunden haben, kam es im christlichen Denken erst im Spätmittelalter zur Deutung des Eies als Symbol des „Neuanfangs nach einer Zeit der Dunkelheit". Mit ausschlaggebend dafür war die mittelalterliche Fastenzeit, in welcher unter anderem der Verzehr von Eiern untersagt war. Diese wurden eingelegt, standen am Ende des Fastens sehr üppig zur Verfügung und fanden dadurch einen prominenten Platz auf den festlichen österlichen Speisetafeln. Im Benediktionale – dem liturgischen Buch für Segnungen – wird das Ei bei der Segnung der Osterspeisen, der „Fleischweihe", am Karsamstag bedacht.
Über die Jahrhunderte entwickelten sich spezifische Farbsymboliken sowie Verzierungstechniken und das Osterei avancierte - neben seiner Verzehrfunktion – zu einem der beliebtesten Schenkobjekte. Kleine und große Künstlerinnen und Künstler nahmen und nehmen sich des Eies an und diese – vom Wachtel- bis zum Straußenei – werden bemalt, behäkelt, bedruckt, mit Wachs beträufelt, beklebt, besprenkelt, ausgekratzt, beschrieben – einfach verschönert. Regionale Besonderheiten geben den Eiern einen individuellen Charakter, beispielsweise durch Kreuzstich-Applikationen, originellen Spruchbändern oder kunstvollen Ritzmustern.
Das Farbspektrum reicht vom traditionellen Rot bis zu Trendfarben der Saison, wobei gegenwärtig eine Zunahme des „Do it yourself"- Färbens auf Naturbasis zu beobachten ist. Zum Einsatz kommen unter anderen Zwiebelschalen für Rotbraun, Spinatblätter für Grün, Schwarzbeere für Blau.
Bemerkenswert sind auch die Zahlen, die über Produktion und Konsum von Eiern Auskunft geben: Die „AgrarMarktAustria" meldet, dass pro Österreicherin bzw. Österreicher durchschnittlich etwa 250 Eier pro Jahr verbraucht werden. Am Höhepunkt rund um Ostern waren es im Jahr 2024 ca. 60 Millionen Eier, die in Österreich verkauft und verspeist wurden. Und ein Highlight zum Abschluss: Laut Berechnungen der Landwirtschaftskammer Steiermark gibt es an die 8 Millionen Legehennen in Österreich, somit hat quasi jeder Österreicher bzw. jede Österreicherin eine persönliche Legehenne. Großartig!
Bildhinweis zu Bild 1 und 2:
Bild 1 und 2 zeigen detailliert gestochene Darstellungen aus dem Emblembuch „Ova paschalia sacro emblemate inscripta descriptaque" (1672) des Jesuitenpaters Georg Stengel. Die Motive aus der Bibel sowie der Haus- und Landwirtschaft sind in Eiform gefasst.
Ova paschalia = lat. Ovum (Pl. Ova): das Ei (die Eier), paschalia: österlich
Literatur:
Greger, Michael: Brauch und Jahr (= Schriftenreihe des Landschaftsmuseums in Schloss Trautenfels am Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum Band-Nr. 8). Trautenfels 2008.
Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin - New York 1989.
Stengel, Georg: Ova paschalia sacro emblemate inscripta descriptaque. Ingolstadt 1672.
Walter, Sepp: Steirische Bräuche im Laufe des Jahres (= Schriftenreihe des Landschaftsmuseums in Schloss Trautenfels am Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum Band-Nr. 6). Trautenfels 1997.
Wolf, Helga Maria: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten - Wien - Wien 2003.
Wolf, Helga Maria: Das Brauchtum. Alte Bräuche - Neue Bräuche - Antibräuche. Freiburg - Basel - Wien 1992.
Internetquellen:
Größere Sprünge, https://www.handelsverband.at/presse/presseaussendungen/consumer-check-ostern-2025 (Zugriff: 11. März 2026)
248 Eier pro Person, https://b2b.amainfo.at/de-at/presse-aktuelles/presse/pressemitteilungen/2024 (Zugriff: 10. März 2026)
Eine Legehenne pro Österreicherin bzw. Österreicher, https://b2b.amainfo.at/de-at/presse-aktuelles/presse/pressemitteilungen/2023 (Zugriff: 10. März 2026)
