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Vampir-Bücher als Leihgabe für das Grazmuseum

Werke aus der Landesbibliothek bilden das literarische Fundament der Ausstellung "Carmilla"

"Carmilla, der Vampir und wir" im Stadtmuseum Graz © Graphik: Anna Haifisch
"Carmilla, der Vampir und wir" im Stadtmuseum Graz
© Graphik: Anna Haifisch

Graz (04.04.2014). - Fünfzehn Bücher aus der Zeit 1752 bis 1929 bilden das literarische Fundament der Ausstellung "Carmilla, der Vampir und wir", in der das GrazMuseum bis Ende Oktober zeigt, wie die Steiermark mit diesem Thema verbunden ist. "In Styria", so beginnt die 1872 erschienene Novelle "Carmilla" des irischen Autors Sheridan Le Fanu, deren Handlung dem oststeirischen Schloss Hainfeld zugeordnet wird. Zu Beginn schildert darin Laura, die Tochter eines englischen, ehemals in österreichischen Diensten stehenden Witwers, wie sie als Sechsjährige nachts eine wunderschöne junge Frau in ihrem Schlafzimmer besucht, von der sie in die Brust gebissen wird.

Carmilla gibt es online frei zum Download z.B.

Die Steiermärkische Landesbibliothek verfügt über verschiedenste Übersetzungen der Novelle sowie auch Sekundärwerke zum Thema Carmilla in deutscher Sprache siehe Externe Verknüpfung Online-Katalog.

Steiermark als Ursprungsland der Vampire?

Baedekers Reiseführer 1878 
Baedekers Reiseführer 1878
Augustinus Calmet "Verhandlung" (1751) 
Augustinus Calmet "Verhandlung" (1751)
Basil Hall "Schloss Hainfeld" (1836) 
Basil Hall "Schloss Hainfeld" (1836)
Von Bram Stokers "Dracula" gehört ein Exemplar der 2. Auflage (1926) zum Bestand der Landesbibliothek 
Von Bram Stokers "Dracula" gehört ein Exemplar der 2. Auflage (1926) zum Bestand der Landesbibliothek

Die Ausstellung zeigt zu Beginn, dass die waldreiche Steiermark im 19. Jahrhundert von Autoren durchaus zur Heimat der Vampire gezählt wurde, zumal der Benediktinerabt Augustinus Calmet schon zur Zeit Maria Theresias ein umfangreiches Werk über Geistererscheinungen, Hexerei, Besessenheit und Vampirismus veröffentlicht hatte, die aus Ländern österreichisch-ungarischen Monarchie - von Schlesien über Böhmen, Mähren, Ungarn bis Siebenbürgen - berichtet worden war. In der Ausstellung zu sehen ist die 1751 gedruckte Übersetzung seines Hauptwerkes in deutscher Sprache.

Die Verbindung zwischen der Steiermark und Vampir-Geschichten veranschaulicht in der Ausstellung einerseits Baedeckers Reiseführer "Österreich, Ungarn, Siebenbürgen" (1878), andererseits auch ein Werk des britischen Autors Externe Verknüpfung Basil Hall. Unter dem Titel "Schloss Hainfeld - A Winter in Lower Styria" schildert der schottische Baronet, Seemann und Forschungsreisende im Jahr 1836 seinen Aufenthalt, allerdings ohne auf Vampire einzugehen.

"My address is simply Gratz. N.B. There is a respectable library here". 

Externe Verknüpfung Basil Halls Reisebericht dürfte aber vor 170 Jahren viel zur Bekanntheit der Steiermark im englischsprachigen Raum beigetragen haben. Er war mit seiner Familie für den Winter 1834/35 einer Einladung der ebenfalls in Schottland geborenen Gräfin Johanna Anna Purgstall auf das komfortable oststeirische Schloss mit 39 Zimmern gefolgt, nachdem er über die Steiermark vieles Interessantes gehört hatte. So hatte ihm ein Freund - bezugnehmend auf die 1811 gegründete Landesbibliothek - geschrieben: "My address is simply Gratz. N.B. There is a respectable library here". In seinem Buch schilderte er dann aber nach zwei Besuchen bei Erzherzog Johann (in dessen Weingarten in Marburg sowie auch in seiner Villa in Vordernberg) dessen Leistungen für die Steiermark - darunter auch die Gründung des Landesmuseums, bei dem die Landesbibliothek 1811 eingerichtet wurde.
=> "Schloss Hainfeld - A Winter in Styria" (EN) gibt es online unter Externe Verknüpfung archive.org

Vorbild für Bram Stokers "Dracula" 

Sheridan Le Fanu machte Schloss Hainfeld 36 Jahre später unter der Bezeichnung "Schloss Karnburg" zum Schauplatz der Novelle "Carmilla". Ein weiteres Vierteljahrhundert später wollte der irische Autor Bram Stoker seinen Roman "Dracula" (1897) ebenfalls in der Steiermark spielen lassen. Die zunehmende Bekanntheit unseres Landes als aufstrebende Industrieregion veranlasste ihn aber, die Handlung nach Siebenbürgen (Transsylvanien) zu verlegen.

 

Vampirismus - von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert

Die Ausstellung selbst beginnt thematisch bei den Ursprüngen von Vampir-Literatur: Das Gedicht "Externe Verknüpfung Der Vampyr" in Heinrich August Ossenfelders "Der Naturforscher" (1748) gilt als Ursprung moderner Vampir-Literatur. Aus der Landesbibliothek zeigt die Ausstellung zu diesem Thema eine deutsch/englische Ausgabe (1798) der Ballade "Lenore" von Gottfried August Bürger, der sonst hauptsächlich als Erfinder der Geschichten des so genannten Lügenbarons von Münchhausen bekannt ist. Es folgt Johann Wolfgang von Goethes's Gedicht "Die Braut von Korinth" aus den 1792-1800 erschienenen "Neuen Schriften" und dann auch ein Blick auf "Christabel", ein Gedicht von Samuel Taylor Coleridge (1852).

Lenore von G.A. Bürger (1798) 
Lenore von G.A. Bürger (1798)
Die Braut von Korinth, Goethe (1800) 
Die Braut von Korinth, Goethe (1800)
Christabel, Coleridge (1852) 
Christabel, Coleridge (1852)

Mary Shelleys im Jahr 1818 erschienenen Werk "Frankenstein oder Der moderne Prometheus" (deutsche Übersetzung aus dem Gutenberg-Projekt,
   => Externe Verknüpfung online z.B. bei feedbooks.com oder als 
   => Externe Verknüpfung Hörbuch auf YouTube.com),
darf in dieser Ausstellung nicht fehlen. Sie zeigt ein Exemplar der Landesbibliothek aus dem Jahre 1912.

Vom französischen Dichter Théophile Gautier liegt eine Übersetzung von "La Morte amoureuse" auf (erstmals veröffentlicht 1836 in "La Chronique de Paris").

Was die Naturwissenschaft über Vampir-Fledermäuse wusste, zeigt A.E. Brehm's A.E. "Illustriertes Thierleben", von dem die Landesbibliothek ein Exemplar aus 1864 zur Verfügung stellte
  => Externe Verknüpfung Download bei Google-Books, Ausgabe Fischer Klassik PLUS.

Von Cesare Lombrose ist die Untersuchung "Neue Fortschritte in den Verbrecherstudien" (1899) ausgestellt. Schließlich zeigt George L. Buffon's "Allgemeine Naturgeschichte" 1784-1785 den damaligen Stand der Wissenschaft, D.F.L. von Schlechtendal's "Flora von Deutschland" zeigt zum Abschluss den Knoblauch als eine Naturheilmittel, das angeblich Vampire verscheuchen könnte.

Externe Verknüpfung Ernst Reventlow, preußischer Marineoffizier, Schriftsteller, Journalist und deutschvölkischer bzw. nationalsozialistischer Politiker brachte die Blutsauger erstmals in politischen Zusammenhang: "Der Vampir des Festlandes - Darstellung der englischen Politik nach ihren Triebkräften, Mitteln und Wirkungen" (1915)
   => online u.a. bei Externe Verknüpfung archive.org.

Der Zeit entsprechend titelte "Sozius" Eli Rubin 1929 im Wiener Volksschriften-Verlag mit "Der Vampir - Rote Gewerkschaft" ebenfalls aus politischer Perspektive.

 


Umfangreiches Rahmenprogramm der Ausstellung

Das GrazMuseum bietet zusätzlich zur Ausstellung ein äußerst umfangreiches Rahmenprogramm:

Jeden Sonntag um 15:00 Uhr gibt's eine Carmilla-Führung

  • in der Karwoche 2014 stehen Vampirworkshops für 6- bis 12-jährige Kinder am Programm (Mo., Mi.-Fr. 10-12h), die in den Sommerferien zu bestimmten Terminen wiederholt werden,
  • es gibt regelmäßig Vollmondführungen sowie
  • eine Spezialführungen für Kuratorinnen (Mi., 7.5., 17h)

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